Dienstag, 15. September 2015


Potsdam, 23.11.2007


Portrait (Erstelle ein Portrait!)


- „Du bist mein Bruder?“

- „Ja, und wir haben auch noch eine Schwester. Elli ist 18 Tage jünger als ich und wohnt mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn in Leipzig. Du bist also schon Onkel.“

- „Krass! 18 Tage jünger? Wie geht das denn?“

- „Na ja, verrückte Geschichte. Meine Mutti hat das damals auch nicht so gut verkraftet, als die Unterhaltsforderungen von Ellis Mutti im Briefkasten lagen … aber da können wir ja später nochmal drüber reden. Du hast also nichts von uns gewusst?“

- „Nee.“

- „Aber was hat er euch denn erzählt über sein Leben bevor er deine Mutti kennengelernt hat?“

- „Na ja, so viel haben wir da nie drüber gesprochen … er hat halt bei der Wismut studiert, vorher war er noch bei der Fahne gewesen - und natürlich ein paar Geschichten aus der Bandzeit. Weißt du davon?“

- „Na nur dass er wohl Bassist war, in einer Band, die auch "relativ" erfolgreich war im Osten - 'n bisschen Party ham'se wohl gemacht.“

- „Darüber ham wir nicht so viel gesprochen, aber durch die Musik musste er bei der Armee nich ganz so hart ran, und über die Beziehungen hat er dann auch den Studienplatz in Eberswalde gekommen.“

- „Genau, und da war er dann auch mit Renate, der Mutter von Elli zusammen.“

- „Echt - na meine Mutti hat er dann erst später in Weimar kennengelernt - über die Arbeit irgendwie.“

- „Ja, und ich glaube, da war er auch noch mit meiner Mutti verheiratet, und auch noch zusammen. Die erste Sache mit Renate hatte sie ihm nämlich verziehen.“

- „Ach so, echt, die waren verheiratet!“

- „Ja, und mit Renate hatte er damals auch schon einen Heiratstermin gehabt. Frag mich nicht warum er sich erstmal für meine Mutti entschieden hat. Vielleicht weil sie ihn mehr brauchte.“

- „Hmm - krasse Sache – hätt’ ich nie gedacht. Aber es macht Sinn, so im Nachhinein betrachtet… Siehst du, ich hab mir immer gewünscht, dass mein Vater nicht so bieder und sti-no-mäßig unterwegs ist. Klar - für dich ist die Sache natürlich tragisch, aber für mich … ich meine, diese Geschichte zu hören … ich habe das Gefühl, dass ich an ihn heranrücke wie nie zuvor in meinem Leben. Auf einmal bekommt er wahrhaft menschliche Seiten … und interessante.“

- „Ich kann mir schon vorstellen, dass dich das fasziniert. Eigentlich war er ja damals 'n ganz schön cooler Typ. Hat das Leben in vollen Zügen genossen - rücksichtslos - so Nietzsche-mäßig, weißt du wie ich meine? …“






Potsdam, 30.11.07





Portrait durch Szene (Erstelle ein Portrait durch beschreiben einer Szene!)



Im Portemonnaie trug er ihre Bilder nicht. Er hatte dafür keine passenden, und es wäre ihm auch gezwungen vorgekommen, anmaßend sogar. Aber er wusste wo sie lagen. Und auch wenn er sie bisweilen über Monate nicht herausholte, so waren sie doch präsent. Sie existierten, und er wusste darum.

Auch seine Frau wusste um sie. Er achtete sehr auf ein schonungslos ehrliches Verhältnis in seiner Beziehung zu ihr. Und ebenso wie in seiner, waren die Bilder auch in ihrer Welt ein fester Bestandteil.

Dennoch hatte er immer ein schlechtes Gewissen wenn er an sie dachte, sodass er sie fast immer dort liegen ließ wo sie waren. Er brauchte schon eine angemessene Rechtfertigung, um sich zu erlauben sie für ein bis zwei Minuten anzuschauen.

Und wenn er dies dann tat, blickte er auf ein paar fast unberührte, belanglose Farbfotografien an deren matter Oberfläche er hängenblieb. Für diese zwei Minuten blockierte sein Geist in einer rationalen Leere. Wie ein Hund glotzte er. Ohne jegliche Rührung.

Nichts sagten ihm diese Gesichter, abgeschnitten von jeglicher Realität - in einer Vergangenheit zu der ihm jegliche Verbindung fehlte. Er hatte sie sich ja auch auf fast unlautere Art und Weise angeeignet. Nichts wussten ihre Besitzer darüber, wie er hier saß und versuchte sie zu betrachten, während sie irgendwo da draußen ihren Weg ohne ihn gingen und sehr wahrscheinlich recht gut damit zurechtkamen.

Anders wäre das sicherlich mit Bildern aus ihrer gemeinsamen Zeit gewesen, aber die existierten nur noch in seinem Inneren. Er war es selbst gewesen, der damals den Entschluss gefasst hatte, dass er für eine neue Zukunft mit seiner Vergangenheit abschließen müsse. Doch auch wenn sich Fotografien und Alben aus den Schränken entfernen ließen, blieben …





04.01.08



Dialog (Schreibe einen Dialog!)



- Schau mal was heut‘ wieder im Briefkasten lag.

[Pause.]

- Mmh. Hast Du‘s schon gelesen?

- Ja, aber lies erst mal selber.

[Er liest.]

- Och. Nöh! Jetzt wird‘s verrückt! [Pause.] Was hälst du davon?

- Naja, das war ja zu erwarten, wenn man mal ehrlich ist. Schließlich ist es dein Sohn.

- Ja, na und?! Ich musste die Entscheidungen meiner Eltern auch akzeptieren. Ich musste mich auch damit abfinden. Und ich komm doch ganz gut damit zurecht.

- Das ist die Frage; wie gut du damit zurecht kommst. Wie glücklich bist du denn über deine Eltern und deine Vergangenheit?

- Darum geht‘s doch überhaupt nicht! Es geht darum, die Entscheidung von anderen Menschen zu akzeptieren. Das ist doch mein Leben!

[Pause.]

- Und sein Leben?

[Pause.]

- Das ist doch sowieso nur wieder so ‘ne Spinnerei! Mal ‘n bisschen auf die Pauke hau‘n. Reine Provokation!

- Und wofür?

- Na um sich zu rächen. Ich bin halt der böse Rabenvater. Und so ungeschoren darf ich nicht davonkommen. Das beweisen doch diese Schmierblätter von damals. Kuck doch mal - die Karte von diesmal wieder. Und überhaupt - dass er eine Karte dafür nimmt - das ist doch … Was soll denn das?

[Pause.]

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